Bundesgartenschau 2023: Der große Grünzug als Chance für Mannheim

Veröffentlicht am 02.10.2019 in Kommunalpolitik

Foto: BUGA 2023 gGmbH / Stand 4 / 2019

2023 geht`s los! Nach 1975 haben wir erneut eine Bundesgartenschau in Mannheim. Der große Grünzug bringt wegweisende Projekte und große Chancen für die Stadt und die nächste Generation. Welche Möglichkeiten ergeben sich für Mannheim? Was bleibt Mannheim nachhaltig nach der großen BUGA 2023? Wie verändert der große Grünzug die Stadt? Diese Fragen besprechen SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Eisenhauer und Stadtrat Thorsten Riehle in der neuen Folge im Mannheim-Podcast. Hört rein!

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Ralf: Im Februar haben die Arbeiten auf dem Spinelli Gelände begonnen. Der Rückbau läuft bereits, und demnächst werden weitere Arbeiten folgen. Was bringt das große Projekt des Grünzuges in Mannheim? Was bringt die Bundesgartenschau 2023 für die Stadt? Neue Mobilität, neues Wohnen, mehr Frischluft und neue Radschnellwege stehen unter anderem auf der Agenda für die Bundesgartenschau 2023.

Bundesgartenschau 1975 als Vorbild

Thorsten: Ich habe persönlich die Bundesgartenschau 1975 miterlebt und diesbezüglich sehr gute Erinnerungen, weshalb auch die Bundesgartenschau für mich ein absolutes Herzensanliegen ist. Ich merke wie wichtig so eine Aufbruchsstimmung für eine Stadt sein kann und 1975 finde ich war dafür ein großes Vorbild. Ich wünsche mir, dass 2023 genauso groß wird und dann Vorbild für die kommende Generation sein wird.

Mehrwert der BUGA für Stadt größer als finanzielle Ausgaben

Ralf: Im Gemeinderat gibt es viele, die mit ähnlicher Begeisterung dabei sind. Es gibt aber auch diejenigen, die die BUGA am liebsten komplett verhindert hätten. Im Austausch mit vielen Bürgerinitiativen und Vereinen hast du dich immer sehr stark dafür eingesetzt alle von dem Mehrwert einer Bundesgartenschau in Mannheim zu überzeugen. Was sind denn die Argumente, die BUGA Gegner dem Thema entgegengehalten?

Thorsten:  Ein großes Argument von denjenigen, die von einer Bundesgartenschau wenig halten, ist das Thema Geld. Die Vorstellung, dass wir wahnsinnig viel Geld in den Sand setzen würden, herrscht schon ziemlich deutlich vor. Die Angst ist, dass völlig unklar ist, welche Einnahmen und Ausgaben zu erwarten sind. Ich habe immer versucht zu erklären, dass die Bundesgartenschau-Gesellschaft natürlich eine Ausgaben- und Einnahmenplanung macht, und dass es uns als Gesellschaft insgesamt natürlich Geld kostet. Es ergeben sich daraus aber auch große Möglichkeiten. Das zeigen andere Bundesgartenschauen und das zeigt auch Mannheim von 1975 wie zum Beispiel die entstandenen verkehrsfreien Planken - das ist ja ein Kind der 75er BUGA. Nicht nur die Geschäftswelt wird deutlich mehr davon profitieren, auch wir als Stadtgesellschaft.

Ökologie und BUGA im Widerspruch?

Ralf: Warum sind tatsächlich Menschen, die dem Thema Ökologie eine große Bedeutung beimessen nicht zu überzeugen? Das Ziel der gesamten Maßnahme ist Freiflächen zu sichern und zwar für Generationen. Wie sind denn die politischen Positionen? Wir als SPD sagen zurecht, wir sind die einzigen, die das gesamte Projekt wirklich immer unterstützt haben, verteidigt haben und auch Überzeugungsarbeit geleistet haben. Wie sah das im restlichen Gemeinderat aus?

Thorsten: Gerade diejenigen, die am Anfang auch tatsächlich eine Bundesgartenschau gefordert haben, sind mittlerweile in großen Teilen dagegen. Die größten Fürsprecher sind inzwischen der Meinung, dass wir eine Bundesgartenschau noch zu diesem Zeitpunkt, vier Jahre vor der Eröffnung, absagen sollen. Das ist erschreckend, weil es zeigt, dass Politik sehr beliebig wird. Ich habe heute die Meinung und wenn es Gegenwind gibt, dann ändere ich die Meinung.

Beispielsweise das Au- Gewässer, hier geht es darum, dass diejenigen die mehr Ökologie fordern ein Gewässer in der Au nicht befürworten. Die Frage der Verlegung von Kleingärten in der Feudenheimer Au haben sie mit dem gesamten Projekt völlig aus dem Auge verloren. Dieser großartige Grünzug der dadurch entsteht, nämlich die Bundesgartenschau, ist für mich eigentlich nur Mittel zum Zweck. Nämlich dafür,  dass wir den Grünzug, der von Käfertal kommt über die Feudenheimer Au, über den Neckar Sprung an der Stadt Kante entlang führen und verwirklichen. Das ist bei vielen aus dem Fokus geraten.

Mehr Radverkehr und neue Mobilität

Ralf: Dass was heute diese Au-Kante ist und diese im Halbkreis geführte Straße, das ist nichts anderes als der alte Neckarlauf. Die Planer haben zu Recht gesagt, das Wasser mit der hohen ökologischen Qualität genau das ist, was wir wieder fördern sollen. Wir haben den Hinweis bekommen, dass durchaus nochmal versucht wird das Thema Au-Gewässer mehr in den Blick zu nehmen. Im Endeffektspielen diese ökologischen Punkte eine große Rolle. Es kommt auf die Frage an, wie wir uns in Zukunft in der Stadt bewegen können? Es geht hauptsächlich darum, dass Menschen die jeden Tag zur Arbeit fahren wollen und müssen, auch mit dem Rad unterwegs sein können. Als zweites und weiteres Beispiel wird sich eine Seilbahn ergeben. Einerseits ist die Seilbahn für die Besucher und Besucherinnen eine attraktive Sache. Aber auch da wird ja ernsthaft darüber nachgedacht, ob das ein Verkehrsmittel sein kann, das den öffentlichen Nahverkehr ergänzt. An verschiedenen Stellen ist das eine unstrittige Sache oder gibt's dazu auch Diskussionen?

Thorsten: Zuerst muss deutlich gemacht werden, warum diese Seilbahn für uns wichtig ist. Wir haben beschlossen, dass wir den Luisenpark mit in das Gesamtkonzept einbinden werden. Eine Bundesgartenschau besteht heutzutage ja nicht mehr nur zwangsläufig von dieser despektierlichen Blumenschau, d.h. einem Gelände, auf dem schöne Pflanzen und schöne Blumen zu sehen sind, sondern wo durchaus eben auch neue Formen belebt werden. Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie eine zunehmend durch die Hitze und durch die Sonneneinstrahlung veränderte Landschaft bewirtschaftet werden kann. Anschließend soll es für die Menschen nach wie vor erlebbar und nutzbar gemacht werden. Das soll auf dem neuen BUGA Gelände und auf dem Luisenpark, dem quasi alten BUGA-Gelände umgesetzt werden. Hierbei stellt sich die Frage, inwiefern lassen sich diese beiden Gelände zusammen verbinden. Die Idee, die es ursprünglich mal gab, war tatsächlich mehr in das Thema Mobilität einzugehen. Nämlich selbstständig fahrende Kleintransporte, Kleinbusse zu nutzen bzw. ein selbstgesteuertes Auto zu setzen, bei dem kein Fahrer mehr gebraucht wird. Das wurde dann aber verworfen, weil der Weg dazu einfach viel zu schmal und viel zu klein ist, und die Besucherströme dort gar nicht geleitet werden können. Deswegen kam man auf die Idee, diesen Sprung zwischen Luisenpark und dem neuen Gelände über eine Seilbahn zu lösen.

Ralf: Es geht eben um Radverkehr und neue bessere Formen des öffentlichen Nahverkehrs. Das große Thema was uns immer wieder beschäftigt, ist was machen wir eigentlich mit den Autos? Eine ganz spannende Frage, die leider zunächst so entschieden worden ist, dass die Straße die mitten durch das Gelände geht, weiterhin erhalten bleibt. Ich bin sehr gespannt, ob wir vielleicht vor der Bundesgartenschau doch noch mal andere Überlegungen einbringen können. Was hältst du denn davon, während der Öffnungszeiten, die Straße zu sperren?

Thorsten: Straßen lassen sich als eine versiegelte Fläche verstehen. Die Gegner dieser Mobilität vertreten die Meinung, dass der Radschnellweg und die Seilbahn weitere Flächen versiegeln. Natürlich gibt es bei solchen Prozessen Veränderungen, aber davor sollten wir keine Angst haben, wenn wir neue Wege bei der Mobilität gehen wollen.

Nachhaltige BUGA 2023

Ralf: Die Bundesgartenschau startet im April 2023. Dann geht's los! Ein halbes Jahr werden für Besucherinnen und Besucher viele Veranstaltungen angeboten. Von einer tollen Stimmung gehe ich aus. Was passiert danach? Was werden denn unsere Nachfahren über die BUGA 2023 mal erzählen?

Thorsten: Die werden sicherlich zum einen erzählen, dass sich die Stadt 2023 noch mal ganz anders auf dem Weg gemacht hat als die Jahre zuvor. Da bin ich fest von überzeugt. Das zeigen einfach alle anderen Bundesgartenschauen. Anschließend zeigt unsere eigene Erfahrung von 1975, wie es aussieht. Die Planken wurden autofrei und die Siedlung Herzogenried ist gebaut worden. Die Zusammenführung eines unglaublich großen ökologischen Projekts wird und langzeitig erhalten bleiben. Was noch bleibt und für mich auch an dem Punkt sehr wichtig ist, ist das der Sportpark Pfeifferswörth anders erlebbar gemacht wird. Wir in der Bundesgartenschau Gesellschaft kennen die Pläne und wissen, wie toll das mal werden soll bzw. mit Sicherheit werden wird. Jedoch muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Lebenswerte Stadt als zentrales Ziel bei der Entwicklung

Ralf: Der zentrale Begriff, mit dem wir uns beschäftigen, ist Entwicklung. Besondere Themen, wie der Klimawandel, der Zuzug in die Stadt, bezahlbares Wohnen, und das Miteinander gestalten mit verschiedenen Kulturen, sind für die Entwicklung von großer Bedeutung. An dieser Stelle sollen auch unterschiedliche Beiträge geleistet und Projekte umgesetzt werden. Es etablieren sich zum einen neue Wohnformen, zusätzliche Freizeitanlagen und Zusammenschlüsse im Bereich Sport und Kultur.

Das zentrale Thema was im Mittelpunkt stehen muss, ist wirklich eine lebenswerte Stadt. Und zwar, lebenswert, im Sinne der Ökologie. Aber auch gerade der soziale Aspekt ist wichtig, kein Park soll eingezäunt werden. Was sind wesentlich politische Schritte, die uns erwarten?

BUGA als Prozess mit Veränderungen verstehen

Thorsten: Wir haben einen finanziellen Deckel auf das ganze Projekt der Bundesgartenschau gelegt. Damit wird sich natürlich auch einiges mit der Zeit verändern. Das heißt, wir werden sicherlich auch im politischen Prozess immer wieder dafür kämpfen müssen, gute Ideen umzusetzen und uns von nicht-tragfähigen Ideen verabschieden. Sicherlich werden wir im politischen Prozess immer wieder auch auf Gegenspieler stoßen. Hier muss verständlich sein, dass so ein Prozess, der über ein Jahrzehnt gelaufen sein wird, logischerweise auch Änderungen unterliegt. Vor solchen sollte man keine Angst haben.

Ralf: Wir wollen auch die BUGA weiterhin begleiten, gestalten, und erklären. Aber grundsätzlich ist der Weg auch das Ziel. Ich glaube es ist deutlich geworden mit Thorsten und mir, zwei begeisterte Anhänger der Idee, dass 2023 in Mannheim eine Bundesgartenschau dazu beiträgt, tolle und große Projekte zu führen und sozial kulturelle Angebote umzusetzen.

 
 

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